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Hör auf zu Bewerten!



Leider neigt unsere innere Stimme dazu, immer sehr vorschnell etwas zu bewerten – selbst wenn wir nur wenig bis gar keine Informationen vorliegen haben, bilden wir uns eine Meinung oder geben ein Urteil ab.


Als ich selber ein kleines Geschäft in einem der teuersten Viertel in Köln geführt habe, sind mir oft wesentliche Dinge bewusst geworden. Regelmäßig standen Kunden vor dem Schaufenster, schauten sich die Auslage an und klagten lautstark, dass alles viel zu teuer wäre!


Wie konnten Sie das beurteilen, ohne die Ware, das Produkt berührt zu haben bzw. ohne sich Informationen über den Herstellungsprozess gemacht zu haben?


Dabei war immer sehr auffällig, dass es oft die nicht so betuchten Kunden waren, die ihrer Bewertung freien Lauf ließen. Der Kunde, der sich die Zeit nahm, in das Geschäft zu kommen und die Ware zu begutachten, war danach immer mit dem Preis einverstanden, da er jetzt viel mehr Informationen zur Bewertung vorliegen hatte.


Diese Bewertungen dienen in erster Linie unserem Schutz.


Unsere Erfahrungen und unsere unterbewusste finanzielle Wahrnehmung, lässt uns in Sekundenschnelle ein Urteil zukommen, ob etwas zu billig oder zu teuer ist. Auch prüfen wir, ob ein bestimmtes Ereignis für uns gefährlich ist, oder auch unseren Maßstäben im positiven wie negativen Empfindung entspricht.

Wir bewerten Personen und Situationen, ob sie gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm sind. Leider mit viel zu wenig Information.

Jeder von uns hat schon mal eine Person kennengelernt, die durch eine Geste, oder nur durch den Anblick missfallen hat. Hat man sich aber dann die Mühe gemacht, diese Person näher kennenzulernen, bestand oft die Möglichkeit für Sympathie oder Wohlgefallen.


Wollen wir wirklich so über Menschen, Dinge, Erlebnisse oder Situationen vorschnell urteilen?


Sollten wir uns nicht lieber in die Situation versetzen oder besser erst noch mehr Informationen einholen, um uns eine Meinung bilden zu können?


Ergibt es wirklich Sinn, sich lautstark im Auto aufzuregen, weil mal wieder ein anderer Verkehrsteilnehmer nicht geblinkt hat oder einem die Vorfahrt genommen wurde?


Ist es sinnvoll, sich aufzuregen, weil die Oma vor dir an der Kasse gefühlte Stunden benötigt, um ihr Kleingeld zu sortieren?


Stiftet es Sinn, sich darüber auszulassen, dass eine Person etwas kräftiger oder zu dünn ist, schlechte Essensmanieren oder einen merkwürdigen Kleidungsstil hat?




Vor vielen Jahren habe ich mal in einem Buch von Tony Robbins gelesen, dass man sich durch das ständige Bewerten nur stetig selbst eingegrenzt. Es wurde sogar davon gesprochen, dass das Bewerten gleichbedeutend ist mit dem eigenen Hals würgen.

Also, haben meine Frau und ich ein Experiment gewagt, und gegenseitig vereinbart, dass, wenn man sich oder den anderen beim Bewerten erwischt, wir uns mit dem Finger einen imaginären Strich am Hals machen.


Was soll ich sagen, in den ersten zwei Tagen hatten wir beide, gefühlt einen roten Hals vom permanenten Striche machen.


Es ist unglaublich, wenn man mal bewusst darauf achtet, was man alles bewertet und worüber man seinen Senf ablässt. Da geht der eine vor einem zu langsam, keiner geht ans Telefon, der Kühlschrank ist schon wieder leer, immer muss ich mit dem Hund raus und wer weiß was sonst alles noch ….

Erst nach einer Woche, hatten wir das nicht bewerten, deutlich besser im Griff und wir waren uns beide einig, dass wir feststellten, wie wir gefühlt ruhiger und zufriedener wurden.

Seit nunmehr 15 Jahren achten wir immer noch darauf, nicht zu bewerten und dieses noch hingebungsvoller und intensiver zu verbessern.

Fakt ist, und das hat uns diese Veränderung gelehrt:


Wenn du es nicht bewertest, kommt es auch nicht an dich ran, und vermiest dir, auch nicht unbewusst, den Tag.


Das soll nicht bedeuten, dass du jetzt das Leben mit absoluter Gleichgültig fortführen solltest. Aber gewöhne dir doch einfach zukünftig an, deinen Blickwinkel auf die Dinge zu ändern. Vielleicht hat der Verkehrsteilnehmer gerade eine schlechte Nachricht erhalten, oder war in Gedanken und hat deshalb vergessen, den Blinker zu setzen. Vielleicht ist die Oma an der Kasse einfach nur froh, ihr mühsam gespartes Kleingeld zu verwenden usw. usw. …..


Bitte frage dich zukünftig, bevor du dir eine Meinung bildest.: Liegen mir alle Informationen vor, um mir darüber ein Urteil bilden zu können? Oder was ich immer wieder gerne verwende: Wird mich das in einem Jahr noch interessieren?





Ein Buch, das wirklich einen einflussreichen Einfluss auf mein Leben hatte und ich dir sehr als Lektüre empfehlen kann, ist von James Allen und heißt „Wie der Mensch denkt“. In diesem Buch gibt es einen Ausschnitt, den ich gerne mal wiedergeben möchte:





Wenn ein Mensch seine Gedanken radikal ändert, wird er über die Wirkung verblüfft sein, die dies auf die äußeren Umstände seines Lebens hat. Sie ändern sich völlig, und das sehr schnell.


Dem kann ich wirklich aus vollem Herzen zustimmen.


Ich kenne viele glückliche Menschen, und darf sogar einige davon als gute Freunde betrachten. Die, die ich kenne, sind recht gelassene Menschen und nach meiner eigenen Erfahrung ist Gelassenheit die Tür für viele positive Eigenschaften, die das Leben dann noch schöner machen. Gelassener zu werden, hat mich persönlich achtsamer, entspannter und toleranter gemacht und es ist wahrlich einfacher, das Leben so zu akzeptieren wie es ist, und die Möglichkeiten, die einem gegeben werden zu nutzen, um daraus das Beste zu machen.


Duldsam dabei zu beobachten, wie man auf ärgerliche Situationen reagiert und bewusst in die Veränderung zu kommen, kann und wird einer deiner besten Entscheidungen auf dem Weg zu einem zufriedeneren Leben sein.

Wer ständig alles und jedes bewertet oder beurteilt, egal ob bewusst oder unbewusst, vergeudet dadurch nur seine eigene Lebensenergie.


Ich frage mich oft, warum so viele Menschen alles beurteilen, aber selber nicht ins Handeln kommen.

Der Schweizer Philosoph Johann Kaspar Lavater hat mal einen schönen Spruch diesbezüglich niedergeschrieben:


Sprich nie Böses von einem Menschen, wenn du es nicht gewiss weißt! Und wenn du es gewiss weißt. So frage dich: Warum erzähle ich es?


Hast du das schon einmal so betrachtet?


Sollten wir nicht lieber alle akzeptieren, dass das Leben aus Tag und Nacht besteht, aus Sommer und Winter, aus Gewinn und Verlust, aus Erfolg und Niederlage.

Erst wenn man wirklich versteht, dass es ohne Niederlagen keinen Erfolg gibt, und immer wieder ein neuer Tag mit einer neuen Gelegenheit kommt, dann gibt es „eigentlich“ kein Risiko mehr. Wenn man das in sich aufgenommen hat, dann gibt es nur noch das Leben, auf das man sich mit Freude einlassen sollte, um die Tage bewusst zu genießen.

Wer aber ständig urteilt und das nicht ändert, dem wird immer die Gelassenheit fehlen, um richtig zu leben.


Da stellt sich dann für den ein oder anderen die Frage: Wie werde ich den gelassener?


Auch Gelassenheit kann man trainieren, unter anderem, indem wir bewusst weniger urteilen und über die ein oder andere Situation eher schmunzeln, als uns zu echauffieren. Erlerne in Trigger Situationen, bewusster zu atmen. Oder du kannst bewusst Menschen helfen, denen es nicht so gut geht wie dir. Verschenke Geld, verschenke Zeit. Erst mit der richtigen Gelassenheit kann man das Leben und seinen eigenen Wohlstand bewusst wahrnehmen.


Ich danke dir auch heute wieder für deine Aufmerksamkeit und hoffe, dass ich etwas zu deiner Weiterentwicklung beitragen konnte und du in der nächsten Folge wieder mit dabei bist.


Viele Grüße

Klaus Sagwitz


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